Wer erstellt Unternehmens - bewertungen?Die richtige Fachperson richtet sich nach Zweck, Tragweite und gewünschtem Bewertungsstandard
Eine Unternehmensbewertung kann Grundlage für Verkauf, Nachfolge, Beteiligung, Gesellschafterwechsel, Finanzierung oder strategische Entscheidungen sein. Wer sie erstellen sollte, hängt deshalb nicht allein von der Unternehmensgröße ab. Entscheidend ist, wofür der Wert benötigt wird, welche Verbindlichkeit erwartet wird und ob besondere rechtliche, steuerliche oder gerichtliche Anforderungen bestehen.
Wer darf ein Unternehmen bewerten?
Eine allgemeine Unternehmensbewertung ist in Österreich nicht für jeden denkbaren Zweck ausschließlich einer einzigen Berufsgruppe vorbehalten. Wer sinnvollerweise beauftragt wird, hängt vom Bewertungsanlass, der geforderten Unabhängigkeit und den fachlichen beziehungsweise formellen Anforderungen ab.
Ein interner Entscheidungswert stellt andere Anforderungen als ein Gutachten für ein gerichtliches Verfahren
Für einen geplanten Unternehmensverkauf, eine Nachfolge oder den Einstieg eines Gesellschafters wird häufig eine betriebswirtschaftlich fundierte Bewertung benötigt, die Ergebnisentwicklung, Planung, Kapitalbedarf, Risiken und Marktvergleich zusammenführt.
Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen, steuerlich besonders sensiblen Sachverhalten oder normorientierten Bewertungsanlässen kann hingegen eine formell stärker definierte Begutachtung erforderlich sein. Dann sollten Berufsrecht, Verfahrensanforderungen und gegebenenfalls die Notwendigkeit eines entsprechend qualifizierten Sachverständigen vorab geklärt werden.
Die richtige Frage lautet daher nicht nur „Wer kann rechnen?“, sondern „Welchen Zweck muss die Bewertung erfüllen – und wer kann diesen Zweck fachlich und formal belastbar abdecken?“
Der Unternehmenswert ist keine isolierte Zahl – er wird für einen bestimmten Zweck ermittelt
Ein Verkäufer möchte wissen, welcher wirtschaftliche Wert als Grundlage für Preisverhandlungen vertretbar ist. Bei einer Nachfolge geht es zusätzlich um Finanzierbarkeit und Übergabestruktur. Ein neuer Gesellschafter benötigt wiederum eine nachvollziehbare Grundlage für Beteiligungsquote und Kaufpreis.
Auch bei Gesellschafterkonflikten, Umstrukturierungen, strategischen Entscheidungen oder Finanzierungen kann eine Bewertung erforderlich sein. Je nach Anlass unterscheiden sich Informationsbedarf, Bewertungsmaßstab und Dokumentation.
Deshalb sollte der Bewertungszweck bereits vor Datensammlung und Methodenwahl eindeutig festgelegt werden.
- Unternehmensverkauf und Kaufpreisverhandlung
- Unternehmensnachfolge und Übergabe
- Eintritt oder Austritt von Gesellschaftern
- Beteiligungs- und Finanzierungsentscheidungen
- interne strategische Planung
- Gesellschafter- oder Erbauseinandersetzungen
- gerichtliche oder sonstige normgebundene Bewertungsanlässe
Die passende Berufsgruppe hängt von der benötigten Aussagekraft ab
Fachliche Kompetenz in Rechnungswesen, Planung, Finanzierung und Bewertungsmethodik ist wichtiger als eine pauschale Berufsbezeichnung.
Unternehmensberater
Erfahrene Unternehmensberater und Valuation-Spezialisten erstellen betriebswirtschaftliche Bewertungen etwa für Verkauf, Nachfolge, Beteiligung und strategische Entscheidungen.
Steuerberater
Steuerberater können besonders dann sinnvoll eingebunden werden, wenn Bewertung und steuerliche Strukturierung eng miteinander verbunden sind.
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüfer und spezialisierte Valuation-Teams werden häufig bei komplexeren, formell dokumentierten oder transaktionsnahen Bewertungen eingesetzt.
Sachverständige
Bei gerichtlichen Verfahren oder ausdrücklich gutachterlichen Anforderungen kann ein entsprechend qualifizierter beziehungsweise gerichtlich zertifizierter Sachverständiger erforderlich oder zweckmäßig sein.
M&A-Spezialisten
Bei Unternehmenskäufen verbinden M&A-Berater Bewertung häufig mit Marktansprache, Transaktionsstruktur und Kaufpreisverhandlung.
Interne Finanzteams
Controlling und Geschäftsführung können erste Wertindikationen erstellen. Für unabhängige oder externe Zwecke ist eine neutrale fachliche Bewertung häufig belastbarer.
KFS/BW 1 ist in Österreich ein zentraler fachlicher Referenzrahmen für Unternehmensbewertungen
Der Fachsenat für Unternehmensbewertung der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen entwickelt das Fachgutachten KFS/BW 1 und ergänzende fachliche Hinweise laufend weiter.
Eine Bewertung nach einem anerkannten Standard zwingt zu klaren Annahmen: Bewertungszweck, Zukunftsplanung, Kapitalisierung, Risiken, nicht betriebsnotwendiges Vermögen und weitere wertrelevante Positionen müssen nachvollziehbar behandelt werden.
Der Standard ersetzt allerdings nicht die fachliche Beurteilung des konkreten Unternehmens. Eine methodisch saubere Formel kann unplausible Planungen oder unvollständige Daten nicht heilen.
Bewertungsanlass
Festlegen, für welche Entscheidung beziehungsweise welchen normativen Zweck der Wert benötigt wird.
Zukunftserfolg
Historische Zahlen analysieren und belastbare künftige Erträge beziehungsweise Cashflows ableiten.
Kapitalisierung
Unternehmens- und Marktrisiken konsistent in den Bewertungsannahmen berücksichtigen.
Plausibilisierung
Ergebnis mit Multiplikatoren, Marktbeobachtung oder weiteren geeigneten Verfahren kritisch gegenprüfen.
Eine gute Bewertung erklärt den Wert – nicht nur das Ergebnis
Ein belastbarer Unternehmenswert muss aus den zugrunde liegenden Annahmen nachvollziehbar herleitbar sein. Dazu gehören historische Ertragskraft, Bereinigungen, Planungsrechnung, Investitionsbedarf, Working Capital, Finanzierung, Risiko und gegebenenfalls nicht betriebsnotwendiges Vermögen.
Besonders wichtig ist die Trennung zwischen Unternehmenswert und tatsächlich verhandeltem Kaufpreis. Der Wert ist eine methodisch abgeleitete Entscheidungsgrundlage. Der spätere Preis entsteht zusätzlich aus Verhandlung, Finanzierbarkeit, Wettbewerb und individuellen Interessen.
Wer diese Unterschiede offenlegt, schafft eine deutlich bessere Grundlage für Gesellschafter, Käufer, Verkäufer und Finanzierungspartner.
- Bewertungsstichtag eindeutig festlegen
- Jahresabschlüsse und aktuelle Zahlen analysieren
- Einmaleffekte und Sondereinflüsse bereinigen
- Planungsrechnung kritisch plausibilisieren
- Investitionen und Working Capital berücksichtigen
- Finanzschulden und liquide Mittel sauber behandeln
- Wert und Kaufpreis klar unterscheiden
Je besser die Datenbasis, desto belastbarer die Bewertung
Die konkrete Unterlagenliste hängt vom Unternehmen und Bewertungsanlass ab. Typischerweise werden historische Zahlen mit einer zukunftsorientierten Planung verbunden.
Jahresabschlüsse
Mehrere abgeschlossene Geschäftsjahre schaffen die Grundlage für Ergebnis-, Bilanz- und Cashflow-Analyse.
Aktuelle Buchhaltung
Laufende BWA, Salden, offene Posten und aktuelle Entwicklungen helfen, den Bewertungsstichtag sauber abzubilden.
Planungsrechnung
Umsatz, Margen, Personal, Investitionen und Liquidität müssen für die Zukunft nachvollziehbar geplant werden.
Verträge & Abhängigkeiten
Großkunden, Mietverträge, Finanzierung, Lieferanten und andere wirtschaftlich wesentliche Verpflichtungen einbeziehen.
Anlagen & Schulden
Finanzierungen, liquide Mittel, Investitionsbedarf und nicht betriebsnotwendige Positionen gesondert analysieren.
Unternehmenslogik
Geschäftsmodell, Wettbewerb, Schlüsselpersonen, Marktposition und Wachstumsannahmen verständlich dokumentieren.
Buchhaltung, Planung und Unternehmensberatung zu einer nachvollziehbaren Bewertung verbinden
SUDI unterstützt Unternehmen bei betriebswirtschaftlichen Bewertungen für Verkauf, Nachfolge, Beteiligung und unternehmerische Entscheidungen und koordiniert bei Bedarf zusätzliche steuerliche, rechtliche oder gutachterliche Fachstellen.
Bewertungszweck klären
Anlass, Stichtag, Adressaten und gewünschte Aussagekraft der Bewertung werden eindeutig festgelegt.
Zahlen analysieren
Jahresabschlüsse, laufende Buchhaltung, Ertragskraft, Sondereffekte und Vermögenspositionen werden strukturiert aufbereitet.
Zukunft bewerten
Planung, Investitionen, Working Capital, Risiken und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung werden plausibilisiert.
Ergebnis dokumentieren
Methodik, Annahmen, Wertbandbreite und wesentliche Einflussfaktoren werden nachvollziehbar dargestellt.
Diese Punkte machen Unternehmensbewertungen schnell unbrauchbar
Bewerter nur nach Preis wählen
Erfahrung, Bewertungszweck und fachliche Methodik werden gegenüber dem günstigsten Angebot vernachlässigt.
Wert mit Kaufpreis gleichsetzen
Ein methodisch ermittelter Unternehmenswert wird als automatisch erzielbarer Verkaufspreis interpretiert.
Nur Vergangenheit betrachten
Historische Gewinne werden fortgeschrieben, ohne Zukunft, Investitionen, Wettbewerb und Risiken ausreichend zu analysieren.
Planung ungeprüft übernehmen
Optimistische Umsatz- oder Margenannahmen werden nicht mit Kapazität, Markt und Finanzierung plausibilisiert.
Bewertungszweck nicht nennen
Eine Zahl wird erstellt, obwohl unklar bleibt, ob sie Verkauf, Nachfolge, Gericht, Steuer oder interner Planung dienen soll.
Formelle Anforderungen übersehen
Erst nach Erstellung wird erkannt, dass für den konkreten Anlass eine besondere Gutachter- oder Berufsqualifikation erwartet wird.
Unternehmenswert und Eigentümerentscheidungen weiter vertiefen
Unternehmensbewertung
Methodik, Planungsrechnung, Ertragskraft und Werttreiber eines Unternehmens strukturiert analysieren.
Mehr erfahren →Unternehmenswert berechnen
Ertragswert, DCF, Multiplikatoren und weitere Bewertungsansätze verständlich einordnen.
Mehr erfahren →Unternehmensverkauf
Wert, Kaufpreis, Verhandlungsposition und Transaktionsstruktur gemeinsam vorbereiten.
Mehr erfahren →Unternehmensnachfolge
Bewertung, Finanzierung und Eigentumsübergang frühzeitig miteinander verbinden.
Mehr erfahren →Gesellschaftsverträge
Bewertungsmechanismen für Eintritt, Austritt und Gesellschafterwechsel wirtschaftlich vorbereiten.
Mehr erfahren →Bewertung besprechen
Bewertungsanlass, verfügbare Zahlen und benötigte Aussagekraft persönlich mit SUDI klären.
Kontakt aufnehmen →Fragen zur Erstellung von Unternehmensbewertungen
Wer erstellt Unternehmensbewertungen in Österreich?
Je nach Bewertungsanlass kommen insbesondere spezialisierte Unternehmensberater, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Valuation- und M&A-Spezialisten sowie bei entsprechenden Verfahren qualifizierte beziehungsweise gerichtlich zertifizierte Sachverständige in Betracht.
Muss eine Unternehmensbewertung von einem Wirtschaftsprüfer erstellt werden?
Nicht für jeden Bewertungsanlass. Welche Berufsgruppe erforderlich oder zweckmäßig ist, hängt vom Verwendungszweck und möglichen formellen Anforderungen ab. Bei besonderen rechtlichen, steuerlichen oder gerichtlichen Anlässen sollte dies vor Auftragserteilung gesondert geklärt werden.
Kann ein Unternehmensberater eine Unternehmensbewertung erstellen?
Unternehmensberater mit entsprechender betriebswirtschaftlicher und methodischer Kompetenz können Unternehmensbewertungen und Wertfindungen etwa für Verkauf, Nachfolge, Beteiligungen oder strategische Entscheidungen erstellen. Entscheidend bleiben Qualifikation, Erfahrung und Bewertungszweck.
Was ist KFS/BW 1?
KFS/BW 1 ist das Fachgutachten zur Unternehmensbewertung des Fachsenats für Unternehmensbewertung der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen und ein zentraler fachlicher Referenzrahmen in Österreich.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?
Der Unternehmenswert ist das Ergebnis einer methodischen Bewertung unter bestimmten Annahmen. Der Kaufpreis entsteht in einer konkreten Transaktion zusätzlich aus Verhandlung, Wettbewerb, Finanzierbarkeit und den individuellen Interessen von Käufer und Verkäufer.
Welche Unterlagen benötigt man für eine Unternehmensbewertung?
Typischerweise mehrere Jahresabschlüsse, aktuelle Buchhaltungsdaten, Planungsrechnungen, Informationen zu Finanzierungen, Investitionen, Verträgen, Kunden- und Lieferantenabhängigkeiten sowie zum Geschäftsmodell und Markt.
Wie unterstützt SUDI bei Unternehmensbewertungen?
SUDI verbindet Bilanzbuchhaltung und Unternehmensberatung, analysiert historische Zahlen, plausibilisiert Planung und erstellt betriebswirtschaftlich nachvollziehbare Bewertungen für geeignete Bewertungsanlässe. Wenn besondere rechtliche, steuerliche oder gutachterliche Anforderungen bestehen, werden die entsprechenden Fachstellen eingebunden.
Die Qualität einer Unternehmensbewertung beginnt mit dem richtigen Bewertungsauftrag
Sie benötigen einen Unternehmenswert für Verkauf, Nachfolge, Beteiligung oder eine strategische Entscheidung? SUDI klärt Anlass, Datenbasis und erforderliche Aussagekraft und entwickelt daraus eine nachvollziehbare betriebswirtschaftliche Bewertung.